Komplettes Thema anzeigen 05.02.2018, 19:32
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Betreff: Re: Dies, Das & Jenes der Saison 2017 / 2018
hm

mir kam da so der Gedanke an unsere Mannschaft/Trainer



Zitat:

Qualitätsprobleme in deutscher Eliteliga
Die Bundesliga erstickt im Dauerpressing

Von Jörg Strohschein

Das Pressing wird in der Bundesliga mittlerweile von vielen Mannschaften als nahezu einziges Mittel zum Zweck gesehen. Dabei gehen technische und spielerische Fähigkeiten der Spieler verloren. Und die Qualität in der deutschen Eliteklasse leidet. Eine Analyse.

Domenico Tedesco sorgte für kollektive Verwunderung. Auf die Frage, weshalb seine Mannschaft sich trotz Führung (nach 24 Minuten) über weite Phasen des Spiels so passiv verhielt und Werder Bremen die Initiative überließ, hatte er eine unerwartete Antwort parat: "Der Akku war leer. Die Spieler haben viel gearbeitet und haben immer wieder den Gegner angelaufen", sagte der Trainer des FC Schalke 04.

Aus Tedescos Sicht mit Blick auf die Umsetzung seiner taktischen Vorgaben war dies eine logische und kaum zu beanstandende Analyse. Für die Zuschauer allerdings eine eher beunruhigende Bestandsaufnahme. Denn diese Antwort spiegelte sehr deutlich den augenblicklichen Zeitgeist in der Bundesliga wider.

Es geht mittlerweile nicht nur Tedesco, sondern fast allen anderen Trainern und Teams vor allem darum, das Aufbauspiel des jeweiligen Gegners zu zerstören. Dauerhaftes Anlaufen, Bälle erkämpfen, die Chance zum Umschaltspiel (ehemals Konter) zu suchen. Und dies in einem Ausmaß, dass selbst die konditionsstärksten Spieler in der deutschen Eliteliga irgendwann entkräftet einknicken.
Ausprägung und Intensität haben sich verändert

Ausnahmen in dieser Hinsicht bilden in dieser Spielzeit eigentlich nur der FC Bayern, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund, die aus einem Selbstanspruch heraus vor allem eingeninitiativ mit dem Ball agieren wollen.

"Früh attackiert" wurden Gegner auch schon früher, "vorne drauf gegangen" wie es im Fußballerdeutsch schon seit Jahrzehnten heißt, ist gewiss keine Erfindung der jüngsten (Fußball-)Entwicklungsgeschichte. Ausprägung und Intensität haben sich aber grundlegend verändert. Mittlerweile ersticken sich die gegnerischen Teams im Dauerpressing gegenseitig.

Am vergangenen Wochenende war dies gleich auf mehreren Bundesligaplätzen geradezu exemplarisch zu besichtigen. Drei Beispiele: Schalke und Bremen störten sich gegenseitig so intensiv, dass sich ein ansehnliches Fußballspiel gar nicht erst entwickeln konnte. Bei der Partie HSV gegen Hannover 96 ähnelte die Partie eher einem Wettbewerb darin, wer den Ball am Höchsten und Weitesten in die gegnerische Hälfte befördern kann. Von gepflegter Spielkultur, Kurzpassspiel oder Doppelpässen war auch in Wolfsburg in der Begegnung gegen den VfB Stuttgart kaum einmal etwas zu sehen.
Deutscher Fußball leidet unter dem Dauerpressing
Bayer-Trainer Roger Schmidt

Ex-Leverkusen-Trainer Roger Schmidt

Früher Vorreiter dieser taktischen Interpretation war einst Ralf Rangnick in den 90er Jahren. Die nächste, erweiterte und überaus strikte Umsetzung hatte Roger Schmidt im Jahr 2014 bei Bayer 04 Leverkusen implantiert. Und diese Schmidt'sche Pressingschule hat mittlerweile und zum zunehmenden Verdruss vieler Zuschauer und Fußballfans viele Nachahmer gefunden.

Denn diese Herangehensweise geht von der irrigen Annahme aus, dass es Aktivität wäre, des Gegners Spiel zu zerstören. Es geht beim Fußball zwar auch darum, solide und stabil zu verteidigen. Aber vorrangiges Ziel des Spiels ist es eigentlich, die Initiative in die eigene Hand zu nehmen und Tore zu erzielen.

Der deutsche Fußball leidet zusehends unter dieser Herangehensweise. Dass die Leverkusener sich von diesem Trend nach der Beurlaubung von Trainer Schmidt wieder losgesagt haben und ihre ursprüngliche Idee des technischen geprägten Fußballs wieder in den Vordergrund stellen, sagt viel aus über die Eindimensionalität des Pressings.
Idee des Fußballs wird konterkariert

Dass Mannschaften dem Gegner den Ball überlassen wollen, um diesen dann möglichst überfallartig wieder abzujagen und zu kontern, ist zwar eine legitime Herangehensweise, konterkariert allerdings die ursprüngliche Idee des Spiels - und fördert nicht gerade die individuellen technischen Fähigkeiten der Spieler.

Dribbelkünstler, Flankengötter und Weitschussexperten, wie sie die Bundesliga über fast fünf Jahrzehnte in Vielzahl hervorbrachte, sucht man heute - außer in den absoluten Spitzenmannschaften - nahezu vergeblich.

Ein Blick hinüber nach Spanien genügt, um festzustellen, dass selbst Teams wie der FC Sevilla, Celta Vigo oder der FC Villarreal, die finanziell nicht wie Real Madrid oder der FC Barcelona ausgestattet sind, technisch und spielerisch anspruchsvollen und auch international erfolgreichen Fußball spielen können.

Das in den vergangenen Jahren zunehmend schwache internationale Abschneiden der deutschen Mannschaften (mit Ausnahme vom FC Bayern, Borussia Dortmund und auch dem FC Schalke 04) dürfte eine seiner wesentlichen Ursachen im bewussten Verzicht auf technische und taktische Flexibilität haben.

Das in vieler Hinsicht ermüdende und dennoch geradezu stoisch angewandte Dauerpressing hat einen entscheidenden Einfluss auf die zurückgegangene Qualität in der Bundesliga.


hm

ich rufe/brülle ja immer Wink

"wie wärs den wenn ihr da unten wieder mal Fußball spielt"

oder

"fangt endlich wieder an Fußball zu spielen"