Komplettes Thema anzeigen 17.11.2018, 09:28
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Betreff: Re: Fanhilfe Magdeburg




Fußball | Diskussion Pyrotechnik: Politik und Fans auf Konfrontationskurs
Zitat:
Im Vorfeld der Ende November in Magdeburg stattfindenden Innenministerkonferenz schlagen die Diskussionen um die Bestrafung von Pyrotechnik in Fußballstadien und Repressionen gegen Fußballfans hohe Wellen. Die Fronten auf beiden Seiten scheinen verhärtet.
Bildrechte: imago/Jan Hübner

Für Aufregung hatte erst kürzlich Hessens Innenminister Peter Beuth gesorgt. Der CDU-Politiker forderte, das Abbrennen von Pyrotechnik mit einer Gefängnisstrafe zu sanktionieren. "Wer rechtswidrig agiert, der muss damit rechnen, dass er hart bestraft wird", sagte Beuth in dieser Woche im Hessischen Rundfunk. "Wer in einer Menschenmenge mit Pyrotechnik umgeht, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld."
"Vorschlag eines Innenministers unwürdig"

Faninitiativen wehren sich gegen geplante Verschärfung der Gesetze. Als Protest gegen die Pläne der Innenminister gründete sich in Magdeburg das Bündnis #unheimlichsicher, das am Donnerstag (15.11.2018) zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Faninitiativen und Amnesty International lud. Dort wurde der Vorstoß aus Hessen scharf zurückgewiesen. "Solch ein Vorschlag ist eines Innenministers unwürdig", sagt beispielsweise Thomas Gürke, der als Anwalt die Fanhilfe Magdeburg unterstützt. "Der Vorschlag kommt von jemandem, der von der Sache wenig Ahnung hat. Menschen für das Zünden von Rauchtöpfen ins Gefängnis stecken zu wollen, wäre so unverhältnismäßig, dass es überhaupt nicht im Einklang mit unserer Polizei steht."


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"Fußballfans Experimentierfeld der Polizei"

René Lau, ebenfalls Anwalt und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte vermutet hinter der Idee aus Hessen Kalkül. "Fußballfans sind das Experimentierfeld der Polizei. Fußballfans bekommen es als Erste zu spüren, wenn die Polizeigesetze verschärft werden", sagt der Berliner, der vermutet: "Die Verschärfung des Tons ist von der Politik gewollt."


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Amnesty International fordert unabhängige Untersuchungen

Unterstützung bekommen die Fans von Amnesty International. Andreas Lohner von der Menschenrechtsorganisation hat beobachtet, dass "die Polizeiarbeit im Fußballbereich repressiv, teilweise aggressiv" ist und fordert daher eine "Kennzeichnungspflicht für Beamtinnen und Beamte und unabhängige Untersuchungen der Vorfälle."


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DFB-Vize Koch unterstützt Beuth

Während Faninitiativen vor härteren Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik warnen und auf andere Länder wie Dänemark verweisen, wo sogenannte Kaltpyro getestet wird, bekommt Beuth Unterstützung von DFB-Vizepräsident Reiner Koch. "Im Rechtsstaat darf es keine rechtsfreien Räume geben", sagte der Bayer Anfang November: "Der Einsatz von Pyrotechnik ist verboten. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn der Staat Maßnahmen ergreift, die der Polizei und den Sicherheitskräften helfen, für Recht und Ordnung in den Stadienkurven sorgen zu können."

Beuth unterstrich seine Forderung mittlerweile und plädierte auch für Kollektivstrafen: "Wir müssen die ächten, die dem Fußball nichts Gutes wollen."
Lau: "Polizei muss sich verändern"

Lau reagiert auf solche Aussagen mit Kopfschütteln – und ebenfalls mit einer zugespitzen Forderung: "Die Politik sagt, die Fußballfans müssen sich verändern. Es ist genau andersrum, die Polizei muss sich verändern." Gürke ergänzt: "Da werden Begriffe verwendet, die aus der Militärberichterstattung kommen. Dabei ist Entschärfung angesagt."
Proteste während Innenministerkonferenz angekündigt

Die Fronten von Fans, Polizei und Politik scheinen verhärtet. Eine weitere Eskalation droht, wenn sich die Innenminister der Bundesländer vom 28. bis 30. November in Magdeburg treffen und tatsächlich die Verschärfung der Strafen beschließen. Die Fans haben für die Tage schon einmal Proteste angekündigt.


Hamburger Fans zündeten am 26. Oktober Pyrotechnik in Magdeburg. (Archiv) Bildrechte: imago/Jan Huebner

dh