Komplettes Thema anzeigen 20.01.2019, 13:32
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Betreff: Re: Nachwuchs allgemein ...
@ Robert

danke für den guten und angenehm zu lesenden Beitrag bei dir im Forum

ich hoffe ich darf dich hier Zitieren

besonders das mit dem Nachwuchs

Zitat von Robert genannt Aerolith:

...
Kritik ist in Hinsicht auf eine sportliche Entscheidung zu üben: Statt das bewährte magdeburger Spiel der gepflegten Spielzerstörung des Gegners konsequent auch für höhere Ligen weiterzuentwickeln, stach die sportlich Verantwortlichen der Hafer und bewirkte eine Anpassung an die Spielweise der meisten anderen Mannschaften im bundesdeutschen Profifußball, also eine Hinwendung zu Klein-klein-Spiel, dem Versuch einer spielerischen Dominanz und überbordendem Mannschaftsspiel, dem Fußball totale, wie ihn der Zeitgeist offenbar einzufordern gedenkt. (Man weiß nicht, was der will.)
Der Paradigmenwechsel muß schiefgehen, denn war es doch bislang Methode, Trainer unserem Spiel anzupassen resp. nur Trainer zu verpflichten, die zwar Originale waren, die aber nicht dem System des bundesdeutschen Effektfußballs huldigten, sondern die Stärken einfachen Fußballs, wie er in Magdeburg verstanden und gefeiert wird - Athletik, Kraft, Schnelligkeit, Ehrlichkeit und Effizienz - durch Beharrlichkeit, ja Sturheit systematisch weiterzuentwickeln, gemäß dem Geldbeutel (Neuverpflichtungen) und dem Talent der Nachwachsenden.
Es ist uns in den letzten Jahren nicht gelungen, sogenannte local boys in die Profimannschaft einzugliedern. Da unsere U 19 Juniorenbundesliga spielt, ist das sehr verwunderlich, daß die Einbindung hier ausgebildeter junger Spieler nicht gelingt. Das leidige Argument, die Jungs seien noch nicht soweit, kann ich nicht gelten lassen. Die meisten Menschen, besonders der ostfälische Menschenschlag, wachsen an ihren Aufgaben; traut man ihnen die Erfüllung anstehender Aufgaben nicht zu und betraut damit Fremde, wirkt das nicht nur demotivierend, sondern in Hinsicht auf die weitere Jugendarbeit zersetzend. Wenn Jahr für Jahr Aushäusige geholt werden, meist sogar welche von den Resterampen anderer Ligen, muß ich mich doch sehr wundern, ob da nicht vielmehr die bundesdeutsche Beraterlobby ihre Hände im Spiel hat. Nun mißverstehe man mich nicht; unter den Geholten war manches Juwel, war mancher, der in seinem Heimatverein das gleiche durchleben mußte wie etliche bei uns. Wenn die Beraterlobby nicht ihre Hände im Spiele hat, dann muß wohl der bereits im Altertum gängige Spruch hier seine Wirkung tun: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Der richtige Ansatz liegt darin, Jahr für Jahr ein oder zween gute Spieler zu holen und um diese geeigneten Meister junge eigene Spieler zu gruppieren, die mehr oder weniger die Wasserträger sind, uffm Spielfeld. Und wenn es nicht genug gute (geeignete) Spieler aus der eigenen Jugend geben sollte - was soll's! Unser Verein muß Authentizität besitzen und die baut sich nicht dadurch auf, daß eine Wischiwaschidurchschnittstruppe, diktiert von den finanziellen Möglichkeiten, jahrein, jahraus aufgestellt wird - so wie das beinahe alle anderen Mannschaften auch tun. Alternativlos ist ein Unwort. Es gibt immer eine Alternative!

Und damit bin ich beim Grundsätzlichen. Meine Liebe zum FCM wird gespeist aus meinem Naturell und dem Wunsch nach Eigentümlichkeit. Meine Zueignung dem Fremden, einem Freund, den ich noch nicht kenne. Aber wie dem begegnen, wenn nicht mit dem, was ich selber dem Wesen nach bin? Also geht es um Alleinstellungsmerkmale. Einige werden bleiben für die Ewigkeit, andere müssen im täglichen Kampf immer wieder neu erobert werden. ich würde meine Liebe verlieren, wenn aus dem FCM etwas Durchschnittliches werden würde, etwas, das ihn verwechselbar mit anderen Vereinen machte, z.B. dadurch, daß in seinen Reihen ausschließlich Spieler spielen, die keinen Bezug zu Ostfalen haben, die bunt zusammengekauft worden sind, weil ein x-beliebiger pragmatischer Grund dies den Verantwortlichen befahl. Die Gefahr ist groß, daß genau das passiert: sportlich und wirtschaftlich. Das bedeutet nicht, daß nicht Aushäusige zu Inhäusigen werden können. In den letzten Jahren erlebten wir diesen Prozeß bei Beck, Schiller, Hammann oder auch Butzen - und hätte man Kinsombi noch über die Leihfrist halten können, hätte ich mir das auch für ihn vorstellen können. Aber leider wird viel zu sehr nach reinen ephemeren Kriterien im sogenannten kurzlebigen Fußballgeschäft gehandelt. Wir schicken viel zu schnell Leute wieder weg, veranstalten dümmliche Leihgeschäfte mit Vereinen, die nur eines im Sinn haben, ihr eigenes Fortkommen, und verzichten auf die Ausgestaltung unseres arteigenen Spiels. Klar, wie sollten wir das auch mit Spielern perfektionieren, wenn die halbe Mannschaft jahrein, jahraus ausgetauscht wird?
Ich möchte mehr Kontinuität bei der sportlichen Entwicklung; ich erwarte einen Verzicht auf dieses dümmliche Mitspielenwollen, auf Klein-klein und auf Ballbesitzfuißball. Das lag uns noch nie. Ich drücke unser Spiel mal ganz einfach aus, damit es jeder versteht: wir stehen tief, lassen kommen, stehen auf den Füßen der Gegner, machen sie mürbe, machen ihnen Ansagen, bleiben immer fair, sind aber hart. Dann schlagen wir zu. Spielen den schnellen Ball über außen, schlagen zwei Haken, flanken und versenekn die Molle. So geht unser Fußball, ein athletischer und wenig virtuoser Fußball, der aber auf gute Techniker nicht verzichtet, sofern sie einen Ball in den Fuß zu schlagen wissen. Und genau das erwarte ich von unserer Mannschaft in der zweiten Halbserie. Dann wird das schon.


prost und danke Robert

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